Bewegung

Erst gehen, dann laufen: Der unterschätzte Einstieg in die Ausdauer

Zwei Personen gehen gemeinsam flott auf einem Waldweg

Wenn jemand sagt, er möchte „mit dem Sport anfangen", ist Laufen oft das erste, was in den Kopf kommt. Dabei ist Gehen die unterschätzte Grundlage – und für viele Menschen der sinnvollere, sanftere Einstieg. Gerade wer lange Zeit wenig aktiv war, profitiert enorm von einem strukturierten Gehprogramm, bevor das eigentliche Lauftraining beginnt.

Gehen klingt banal. Aber zügiges Gehen – also wirklich mit Tempo und Haltung, nicht nur Schlendern – ist eine echte Ausdauerübung. Es schont die Gelenke, stärkt die Muskulatur und bereitet den Körper auf die höhere Belastung des Laufens vor.

Was Gehen vom Laufen unterscheidet – und warum das zählt

Der Hauptunterschied liegt in der Aufprallkraft. Beim Laufen lastet jeder Schritt mit dem Vielfachen des eigenen Körpergewichts auf den Gelenken. Beim Gehen bleibt immer mindestens ein Fuß am Boden – die Belastung ist deutlich geringer.

Wer direkt mit Laufen startet, spürt das oft auf unangenehme Weise: Erschöpfung nach wenigen Minuten, ein Ziehen in den Beinen, manchmal auch ein unangenehmes Gefühl der Atemlosigkeit, das daran erinnert, wie ungewohnt sich körperliche Anstrengung anfühlt. Wer hingegen mit regelmäßigem Gehen beginnt, baut eine solide Grundlage auf – und startet das Laufen aus einer Position der Stärke.

Ein einfaches Gehprogramm für vier Wochen

Das Ziel: täglich oder fast täglich 20–40 Minuten zügig gehen. „Zügig" bedeutet, dass Sie sich leicht angestrengt fühlen – die Unterhaltung ist möglich, aber nicht ganz einfach. Dieses Tempo stärkt die Herzausdauer effektiv, ohne Ihren Körper zu überlasten.

  • Woche 1: 20 Minuten täglich, ruhiges Tempo, ebene Strecke
  • Woche 2: 25–30 Minuten, etwas zügiger, erste sanfte Steigungen
  • Woche 3: 30 Minuten mit bewusst schnellem Tempo für die letzten 10 Minuten
  • Woche 4: 35–40 Minuten, abwechslungsreiche Route, erstes kurzes Joggingintervall möglich

Viele berichten nach zwei Wochen, dass das Gefühl der Atemlosigkeit beim Treppensteigen merklich nachlässt. Der Körper gewöhnt sich schneller an regelmäßige Aktivität, als die meisten erwarten.

Technik: So gehen Sie richtig

Klingt seltsam, aber auch beim Gehen gibt es eine Technik. Wer jahrelang kaum aktiv war, schlurft oft – und das kostet mehr Energie als nötig. Ein paar einfache Korrekturen machen einen spürbaren Unterschied:

  1. Aufrechte Körperhaltung: Schultern zurück, Blick geradeaus, nicht auf den Boden
  2. Aktiver Armschwung: Die Arme bei etwa 90 Grad halten und bewusst mitschwingen lassen
  3. Fersenabdruck: Mit der Ferse aufsetzen und über den Ballen abrollen
  4. Schrittfrequenz: Lieber kürzere, häufigere Schritte als große, ausgreifende Schritte
PraxistippProbieren Sie Nordic Walking als Einstieg: Die Stöcke aktivieren zusätzlich die Oberkörpermuskulatur und geben vielen Menschen mehr Sicherheit beim zügigen Gehen. Viele, die damit beginnen, berichten, dass die Ausdauer bei täglichen Spaziergängen spürbar zunimmt – und dass das Gefühl von Leichtigkeit auf Treppen und Steigungen nach wenigen Wochen deutlich besser wird.

Wann ist man bereit, mit dem Laufen zu beginnen?

Es gibt kein magisches Datum. Aber ein guter Indikator: Wenn Sie 30 Minuten zügig gehen können, ohne sich danach erschöpft zu fühlen – dann ist Ihr Körper bereit für erste Laufintervalle.

Starten Sie dann mit kurzen Joggingphasen von 1–2 Minuten, gefolgt von längeren Gehpausen. Steigern Sie langsam. Die Ausdauer, die Sie durch das Gehen aufgebaut haben, kommt Ihnen dabei direkt zugute – viele sind überrascht, wie viel besser sich das Laufen anfühlt, wenn man diesen Schritt nicht übersprungen hat.

Wie man Gehen in den Alltag integriert

Das Schöne am Gehen: Es braucht keine spezielle Ausrüstung und keinen extra Termin. Wer zur Arbeit fährt, kann eine Haltestelle früher aussteigen. Wer ein Auto nutzt, kann weiter entfernt parken. Wer zu Hause arbeitet, kann eine Mittagspause im Freien einplanen.

Diese kleinen Entscheidungen summieren sich. Ein Schrittzähler – ob am Handy oder als Armband – kann dabei helfen, das eigene Bewegungsverhalten sichtbar zu machen. Nicht als Druck, sondern als Orientierung.

Gehen ist keine Abkürzung. Es ist der eigentliche erste Schritt – und manchmal der wichtigste.

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Bitte hören Sie auf die Signale Ihres Körpers. Bei anhaltenden Beschwerden oder wenn Sie sich unsicher sind, empfehlen wir, Rücksprache mit einem Spezialisten zu halten.